Transformation von Kirchengebäuden findet statt

Die Ausstellung "Kirche - Raum - Gegenwart" lädt zur Auseinandersetzung mit den Veränderungen im Kirchenraum St. Fidelis (Villingen) nach dem PopUp-Jugendkirchen-Experiment im vergangenen Jahr ein. Darüber hinaus stellt sie die grundsätzliche Frage, wie Transformation von Kirchengebäuden stattfinden kann, wenn nicht mehr alle Kirchen in ihrer bisherigen Weise genutzt werden. Die Ausstellung ist bis zum 16. März vor und nach den Gottesdiensten öffentlich zugänglich.

„Voraussetzung für eine Transformation ist, das Wagnis der christlichen Gemeinden sich auf eine Veränderung einzulassen und Berührungsängste und Vorurteile gegenüber Gruppen und Einzelpersonen jedweder Herkunft und Religion zu überwinden.“ Mit diesem Zitat des Liturgiewissenschaftlers Gerhards wurde bereits der Blickwinkel im Eröffnungsvortrag sichtbar.
„Bewahren der christlichen Kirchen für die Zukunft bedeutet, sie so umzugestalten, dass heutige Menschen in Liturgie und Ästhetik etwas von dem ‚größeren Geheimnis‘ spüren können sowie glaubhafte Solidarität erfahrbar wird,“ fuhr Michael Hartmann fort. Passend hierzu bietet die Ausstellung gelungene Beispiele für Kirchenumbauten: von der Jugendkirche über das sozial-caritative Zentrum bis hin zu einer Wohnanlage in einer profanierten Kirche, in der nun wieder Leben stattfindet.
60 Personen nutzten die Gelegenheit bei einem Getränk über die Schautafeln und das Gehörte ins Gespräch zu kommen und sich inspirieren zu lassen. Das Thema „Wie geht es mit den Kirchen weiter“  treibt viele Gemeindemitglieder um, sodass das Interesse auch weit über Villingen hinaus ging.
 
Philipp Krechting, Leiter des Erzb. Bauamts Freiburg, zeigte sich beeindruckt von der Aktivität und dem Mut aller, die die PopUp-Jugendkirche sowie das aktuelle Kirchen_frei_Raum-Experiment ermöglichen. Flexible Innenausstattung, Raum für Begegnung sowie ökumenische Offenheit sind für ihn Bausteine eines zukunftsfähigen Kirchenraumes. Wichtig ist aus seiner Sicht auch: mit möglichst vielen Akteuren innerhalb und außerhalb der Gemeinde im Gespräch sein; Dinge auszuprobieren sowie bereit zu sein, Fehler zu machen und dann aus ihnen zu lernen.
Im anschließenden Gespräch, moderiert von Pastoralreferent Tobias Aldinger, antwortete Lisa Amann auf die Frage, was sie am meisten an dem Jugendkirchen-Experiment beeindruckt habe: „Dass junge Menschen in kürzester Zeit und mit großem Einsatz den Kirchenraum von St. Fidelis so verändert haben, dass sie sich darin wohl fühlten.“ Und Pastoralreferent Gunter Berberich ergänzte: „Die Veränderungen brachten mit sich, dass die Menschen plötzlich über ihre spirituellen und ästhetischen Bedürfnisse ins Gespräch kamen.“ Und: „Jede Christ*in sollte in Villingen passende Räume für sich finden, aber wir brauchen nicht sechs mal das Gleiche.“ Besondere Chancen sieht er darin, hier ökumenisch zu denken. „Das heißt nicht, dass jeder Gottesdienst ökumenisch ist, aber dass gute Räume von verschiedenen Konfessionen nacheinander genutzt werden.“ Dekan Josef Fischer fasst zusammen: „Das Heilige hängt für mich nicht vom Raum ab oder wo der Tabernakel steht, sondern von dem, was in dem Raum geschieht, wenn wir ‚Gemeinschaft mit Gott und untereinander‘ feiern.“
 
Die Ausstellung wurde von der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst kuratiert und ist bis zum 16. März vor und nach den Gottesdiensten in St. Fidelis (freitags um 18.30 Uhr und sonntags um 11 Uhr) zu sehen.
Ute Hauser, Sprecherin des Gemeindeteams St. Fidelis beendete die gelungene Ausstellungseröffnung mit einem Abendgebet.
 
Der Kirchenraum St. Fidelis (Romäusring 20, 78050 VS-Villingen) bietet sich auch deshalb für die Ausstellung an, weil er selbst vor einem dreiviertel Jahr zu einer PopUp-Jugendkirche umgestaltet wurde. Kirchenbänke wurden ausgebaut, Palettensofas gezimmert, mit Licht experimentiert. Nachdem der Projektzeitraum beendet war, hat sich ein Großteil von Pfarrgemeinderat und Gemeindeteam dafür ausgesprochen, mit dem gewonnenen Freiraum weitere Erfahrungen zu sammeln. Eine Konzeptionsgruppe begleitet und gestaltet die Erprobungsphase und wertet die Erfahrungen aus.
 
 
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